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Warum das Hamsterrad (eigentlich) gar nicht so schlimm ist

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Gefangen im Hamsterrad? Endlich mal ausbrechen? Mal was anderes machen? Ein anderes Leben leben? Reiseblogger sein? Ein Café irgendwo am Strand eröffnen? Digitaler Nomade werden?

Nach einem Jahr als Bloggerin, als Reisende und irgendwie auch als Nomadin, bin ich gerade wieder in das ”klassische” Arbeitsleben eingestiegen. Dabei bin ich zu spannenden Erkenntnissen gekommen, die ich hier und jetzt gerne mit dir teilen werden.


Das verrufene Hamsterrad

Wie oft lese ich auf Webseiten über das Angebot von einem neuen Leben. ”Du musst einfach ausbrechen, denn du lebst nur einmal.” Nagut, letzteres klingt ja so weit erstmal sinnvoll. Sein Leben zu geniessen und alles raus zu holen, was nur geht, sollten wir in jedem Fall tun. Viel zu kurz ist die Zeitspanne unseres Seins auf diesem Planeten und viel zu unklar die Zukunft, die uns persönlich hier noch bleibt. Deswegen: Carpe Diem, liebe Leute!

Doch warum scheint das Ziel, jeden Tag zur Vollendung zu geniessen, so ein Zwiespalt mit einem Leben in der Heimat und mit einem Job zu sein? Von 9 bis 17 Uhr zur Arbeit gehen und dabei in Routine zu versinken, wird gerne mit dem Treten im Hamsterrad gleichgesetzt. Und damit ist der Begriff und dieser klassische Lebensstil irgendwie verrufen.


Das Problem dabei

Doch was ist eigentlich das Problem dabei? Es ist der… halt dich fest und trommelwirbel… Alltag! Die Routine. Das immer Gleiche. Der gleiche Bürostuhl, die selben Kollegen, die wiederkehrende Aufgabe, der selbige Anfahrtsweg, jeden Tag, den ganzen Tag. Dabei führt das Ausbleiben von neuen Herausforderungen, Erfahrungen und Erlebnissen abseits des Jobs dazu, dass uns die Zeit davon rennt. Und zwar wirklich rennt! Wir kriegen sie gar nicht mehr zu fassen. Und zack, ist wieder ein Jahr um. Und die Eltern werden älter und die Kinder größer.

Außerdem lässt uns ein klassischer nine to five Job wenig Luft zum atmen. Wer acht Stunden arbeitet, eine Stunde Mittagspause einschiebt und dann noch einen gewissen Anfahrt- und Abfahrtweg hat, dem bleibt einfach auch wirklich wenig Zeit. Sich verwirklichen, neuen Ideen nach jagen, mal wieder ein Buch lesen, sich weiterbilden, eine Schallplatte hören - vieles bleibt auf der Strecke. Die Opportunitätskosten für jede Aktivität in der Freizeit sind dabei immens.


Aber ist das eigentlich wirklich ein Problem?

So! Genug der Schwarzmalerei! Nun stellen sich diesem Negativszenario nämlich einige bedeutende Fragen entgegen! Ist das tatsächlich ein strukturelles Problem, aus dem wir ausbrechen müssen? Oder können wir nicht auch in diesem Rahmen glücklich sein? Macht uns das ”Hamsterrad” eigentlich wirklich so unglücklich? Und überhaupt! Ist diese Routine wirklich so schlimm?

 
 

Denke nicht so oft an das, was dir fehlt, sondern an das, was du hast.

- Marc Aurel
 
 

Die guten Seiten einer Routine

”Oft weißt du erst, was du hattest, wenn du es nicht mehr hast.” In diesen Worten steckt Buchstabe für Buchstabe Wahrheit pur. So geht uns in unserer Unzufriedenheit über die Routine im heimischen Alltag gedanklich oft einiges unter. Dass wir in der Heimat unsere Familie und tolle Freunde haben beispielsweise. Zudem bietet uns die Routine eines Jobs ein halbwegs sicheres Einkommen. Die finanziellen Möglichkeiten wiederum geben uns Spielraum, das Leben ohne Sorgen zu geniessen.

Zudem gibt uns ein Job eine Herausforderung, eine Aufgabe und einen Mittelpunkt. Jeden Tag können wir mit unseren Mitmenschen interagieren, treffen dabei verschiedenste, spannende Charaktere und können mit ihnen gemeinsam etwas erreichen. Das Miteinander macht wirklich deutlich mehr Spaß, als alleine vor dem Laptop vor sich hin zu schaffen. Da spreche ich aus Erfahrung.

Schlussendlich bilden die eigenen vier Wände, in denen Pflanzen stehen, die Bilder unserer Freunde und von unseren Erlebnissen der Vergangenheit hängen, einen Rückzugsort, der Geborgenheit und Entspannung schafft.



Lesetipp: Mit der Frage, was uns glücklich macht, beschäftigt sich auch dieser Beitrag aus Kolumbien!
Wie uns die Kolumbianer lehren können, glücklich zu sein




Das unvollkommene Leben in der Heimat

Wenn es doch nun aber auch diese guten Seite der Routine gibt, warum nehmen wir dann diesen Lebensstil als unvollkommen wahr?

Nun ja, ich denke, dass es zwei zentrale Aspekte dabei gibt. Zum Einen hat sich in Deutschland ein Selbstverständnis durchgesetzt, dass wir einen Großteil unseres Lebens arbeiten sollten. Das spiegelt sich dann in unserer akzeptierten fünf Tage Woche wider. 40 Stunden Arbeitsleistung steht dann in den meisten Verträgen zum Ausgleich eines gewissen Gehalts geschrieben. Damit sind zumindest mal fünf Tage der Woche zeitlich ziemlich ausgereizt. Für den, der dann noch Überstunden schiebt, sowieso.

Zum zweiten ist es unser eigener Kopf, der uns die kleinen Dinge nicht mehr wahrnehmen lässt. Immer höher, schneller, weiter. Das wollen wir! Und wir vergessen, dass es gar nicht das liebe Geld ist, was uns wirklich glücklich macht (ein schöner Beitrag dazu ist hier) Viel mehr sind es die Begegnungen, Freunde, unser soziales Umfeld. Doch wer denkt sich denn schon nach einem tollen Abend mit Freunden ganz bewusst: was habe ich für ein tolles Leben? Wir versperren uns mit unseren Gedanken an und über Probleme förmlich davor, zufrieden zu sein.


Sich Zeit für Träume nehmen

Also! Was machen wir denn jetzt? Den Job kündigen und ausbrechen? Oder können wir uns vielleicht unser Leben auch in der Heimat so zurecht rücken, wie es uns gefällt? Wie gesagt! Das Problem ist sicher nicht die Arbeit selbst, sondern die Art und Weise, wie uns diese einnimmt.

In Schweden wurde die sechs Stunden Woche getestet (wie gut das funktioniert, erzählt die Geschäftsführerin eines dieser Unternehmen hier). Dabei haben Arbeitnehmer bei gleichem Gehalt die Ansage bekommen, dass sie nunmehr statt acht Stunden nur noch sechs am Tage arbeiten müssten. Mit erstaunlichen Ergebnissen! Denn so haben die Mitarbeiter der Testunternehmen aus verschiedensten Branchen nicht nur ihr Arbeitspensum aus zuvor acht Stunden geschafft. Gleichzeitig sind sie durch ihren Freiraum zu mehr Kreativität und damit zu noch produktiveren Ergebnissen gekommen (auch Jobseidank schreibt darüber).

Ich selbst bin ein großer Fan einer vier Tage Woche. Wenn ich vier Tage lang eine spannende Projektaufgabe verfolgen und dann drei Tage eigenen Ideen hinterher jagen kann, ist das für mich eine fantastische Balance.

Wie die Balance für dich selbst aussieht, kannst auch nur du selbst beantworten! Wichtig ist jedoch, dass du dir Gedanken dazu machst und dann darauf hin arbeitest, dies auch umzusetzen. Das ist natürlich nicht einfach und möglicherweise wird das auch einen Arbeitgeberwechsel oder gar eine inhaltliche Neuausrichtung nach sich ziehen. Ersteres war bei mir der Fall.

Doch der Aufwand lohnt sich! Mit der gewonnenen Zeit, du wirst es schnell merken, ist die Routine gar nicht mehr schlimm. Im Gegenteil, du könntest richtig anfangen, sie schätzen zu lernen. Und da wären wir bei dem schlauen Satz: du lebst schließlich nur einmal!


Mehr Zufriedenheit

Gleichzeitig reicht es jedoch möglicherweise auch bereits, wenn wir unseren Geist in die richtige Position rücken. Lasst uns die guten Seiten wieder bewusst wahrnehmen. Wir leben in einem Land, in dem zur Zeit kein Krieg herrscht, wir haben fantastische Möglichkeiten für eine gute Ausbildung und für es gibt ein umfangreiches Sozialsystem. Klar, meckern kann man immer. Aber es geht uns doch gut. Wir müssen nicht von der Hand in den Mund leben, die meisten von uns können sparen und wir wissen, wo wir heute Nacht ein sicheres Plätzchen finden.

Es gibt so viele Sachen, die bei uns in der Heimat funktionieren. Viele davon lernen wir erst schätzen, wenn wir mal gereist sind. Wenn dann irgendwo in Südamerika oder Asien alle paar Meter eine Mutti mit Kind im Arm auf der Strasse sitzt und uns anbettelt. Lernt man dann Familien kennen, die ihre Kids mit zehn Jahren auf die Felder schicken, um zum Lebensunterhalt der Familie beizusteuern, bricht es einem fast das Herz. Menschen, die für ein bis zwei Euro am Tag ihre Körper auf der Arbeit schunden, sind in der Welt auch keine Seltenheit.

Also! Ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen möchte, ist, dass wir hier allen Grund haben, zufrieden zu sein. Wir müssen nur hier und da ein paar Stellschrauben drehen.

Ein bisschen Entspannung, Stille und Achtsamkeit bringt uns voran. Dies war einer meiner Momente auf einer Wanderrung in Feuerland, Argentinien.


Die Lösung des Problems nicht in anderen Lebensmodellen suchen?

Ob diese Stellschraube nun direkt der Schluessstrich unter das Leben in der Heimat ist, muss jeder wohl für sich entscheiden. Es gibt viele digitale Nomaden, die auf ihren Internetpräsenzen einen sehr zufriedenen Eindruck übermitteln. Es gibt sicherlich auch schlechtere Lebensmodelle, denn zumindest jagen diese Menschen ihren Traum.

Doch am Ende des Tages nehmen wir uns überall mit hin. Ob hier oder am Ende der Welt! Wenn wir hier nicht zufrieden sein können, dann fällt es mir schwer zu glauben, dass wir es tausende Kilometer entfernt in der Fremde sein können.

Was mich wieder zu den Ausgangsfragen führt: Gefangen im Hamsterrad? Endlich mal ausbrechen? Mal was anderes machen? Ein anderes Leben leben? Reiseblogger sein? Ein Café irgendwo am Strand eröffnen? Digitaler Nomade werden?

Am Ende des Tages, finde ich, ist das Hamsterrad zumindest in dem richtigen Rad doch gar nicht so schlimm!



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Christin Wanderlust
Christin Wanderlust
Frau Wanderlust zeigt dir Wege auf, wie du das Reisen und das Arbeiten in der Heimat verbinden kannst. Eine Weltreise muss dabei nicht immer heissen, dass du deinen Job kündigen und alles aufgeben musst. Also schau doch mal vorbei!

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