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Warum wir in die Ferne schweifen und warum auch nicht

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Neulich haben mein Kumpel Henning und ich darüber diskutiert, wie das eigentlich so ist, mit dem Reisen in die Ferne und in der Nähe. Wir beide sind viel gereist und uns ist aufgefallen, dass wir vor unserer Haustür doch viele Sachen noch gar nicht kennen. Stattdessen setzen wir uns in Flugzeuge und reisen an das andere Ende der Welt.

Für Henning hat sich das Ganze mit Kindern mittlerweile etwas geändert. So haben Reiseziele in der Nähe für ihn in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen. Auch ich frage mich nun, ob auch Reisedestinationen in der Nähe nicht viel reizvoller sein können, als ich jahrelang dachte.

Deswegen habe ich heute mal beides gegeneinander gestellt: Reisen in die Ferne versus Reisen in der Nähe. In der Nähe ist für mich dabei alles, was mit dem Auto oder mit dem Flugzeug im europäischen Raum erreichbar ist.


Auf das Reisefeeling kommen

Lange Zeit habe ich das ultimative Reisefeeling immer mit dem Fernreisen verbunden. Wenn ich heute genauer darüber nachdenke, so hat das Gefühl von Freiheit, Entspannung und Verrücktheit nicht zwangsweise etwas mit dem Reiseziel zu tun.

Vielmehr kommt dieses Gefühl auf, wenn wir mehrere Monate Zeit haben, auf Reisen zu gehen und uns nicht mit Problemen aus dem Alltag auseinandersetzen müssen. Das kann genauso gut in Europa irgendwo sein, wie auf den Fiji Inseln. Bei diesem Aspekt gibt es daher keine Punkte zu vergeben.


Warum es sich lohnt, in die Ferne zu schweifen!

Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Eigenheiten, vom Reisen in die Ferne, die sich nur weit weg von der Heimat ergeben. So müssen wir unsere Seele und unseren Körper schon etwas weiter weg bewegen, um neue Kulturen, exotische Begebenheiten und Besonderheiten zu erfahren.


Wir sind in der Ferne jemand Besonderes und das ist schön

In anderen Regionen der Erde sind wir die Außenseiter und das ist grandios. In Asien beispielsweise sieht man mir an, dass ich nicht aus den asiatischen Breitengraden komme. Dadurch ergeben sich fantastische Gegebenheiten. Man wird viel öfter angesprochen, kommt ins Gespräch mit Einheimischen, wird unglaublich freundlich behandelt und fühlt sich einfach sehr besonders.

Religion in der Fernei

Einmal sind zwei vielleicht sieben jährige Mädels in Japan auf mich zu gekommen. Erst waren sie sehr schüchtern, doch dann haben sie gefragt, ob sie mit mir ein bisschen Englisch üben könnten und es war unglaublich witzig. So etwas passiert in Deutschland, Holland oder Spanien einfach nicht.


In der Ferne warten individuelle Dinge auf uns

In der Ferne sieht man neue Dinge. So bekommt man als deutsche Reisende Einblicke in fremde Kulturen und Religionen. Man gewinnt neue An- und Einsichten, weil Menschen in anderen Teilen der Welt anders leben und die Welt mit anderen Augen sehen.

So bin ich in Lateinamerika und Asien immer wieder begeistert, wie Menschen mit wenigen, materiellen Dingen trotzdem glücklich wirken. Dann gewinnen die Mitmenschen, die Familie und Freunde an Bedeutung, was eine unglaublich spannende Erfahrung ist. Davon können wir Deutschen uns eine Scheibe abschneiden.

Gleichzeitig sieht man in der Ferne Dinge, die es bei uns in Europa einfach nicht gibt. Wüsten, Regenwälder, fette Wasserfälle, Ruinen, Pyramiden, Salzseen, Mondlandschaft-ähnliche Gebiete und vieles mehr. Außerdem kann man nur in der Ferne frische Mangos, Kiwis, Ananas, Papayas oder Kokosnüsse essen (lecker!).

Obststand in Fiji


Die Ferne ist der Weg zu sich selbst

Durch diese ganzen neuen Einblicke, Menschen, Religionen und Kulturen in der Ferne, lernt man sich als Reisender viel besser kennen, entdeckt sich neu und kann sich selber finden.


Doch auch das Reisen in der Nähe kann punkten

Tatsächlich lerne ich aber auch das Reisen in der Nähe mehr und mehr schätzen. Klar, viele witzige und inspirierende Dinge passieren nicht in der Heimat oder im europäischen Ausland. Aber dafür gibt es auch Vorteile in der Heimat.


Entspanntes Reisen in der Nähe

Das Reisen in der Nähe ist viel entspannter. Dinge funktionieren einfach. Busse kommen und fahren wirklich dahin, wo man hinmöchte. Auf Strassen lässt es sich wirklich fahren und man versinkt nicht im Chaos von Millionen Autofahrern in ellenlangen Staus, in Abgasen oder in Schlaglöchern. Preise für Taxis sind für alle gleich und lange Diskussionen darüber sind nicht notwendig. Kurzum, es lässt sich einfach relaxter von A nach B reisen.


Einfach mal ins Auto setzen und der Nase nach fahren

Auch in unserer Nähe gibt es tolle Sachen zu sehen. Sie sind uns gut bekannt und wirken deswegen vielleicht weniger exotisch. Doch sind sie keinesfalls weniger schön! Alleine in Deutschland haben wir tolle Seen, Berge, Wälder, Schlösser, Weinregionen und das Meer im Norden.

Schloss in Koblenz

Zu all diesen Zielen sind keine teuren Flüge notwendig und wir können uns auch einfach mal in unser Auto setzen und hin fahren. Dann brauchen wir uns nicht beschränken, können zehn Bücher mitnehmen, die Hängematte, die Gitarre, das Longboard und das Surfboard. Das hat auf jeden Fall auch was.


Gesundheitsstandards, die Spaß machen

Die Länder in unserer Nähe sind sehr gut entwickelt. Vieles ist überdurchschnittlich sauber, wobei die nordischen Länder mit dem besten Beispiel voran gehen. Viele Impfungen sind hierzulande nicht notwendig und wir müssen uns auch nicht mit Malaria oder Dengue Fieber rumplagen. Das ist im Sommer viel beruhigender.

Wir können Wasser aus dem Wasserhahn trinken, ungewaschenes Obst von Märkten, Milchshakes trinken, Salate in Restaurants essen und mit ganz wenigen Ausnahmen wird unser Magen alles gut vertragen.

Außerdem haben wir an jeder Straßenecke saubere Toiletten und überhaupt sind die Standards unglaublich hoch. Während ich dafür früher überhaupt keinen Blick hatte, gewinnt auch dieser hohe Lebensstandard an Attraktivität.


Ausgleich: in der Ferne ist es schön, doch in der Nähe ebenso

Alles in allem ist es, wie so oft im Leben. Dabei haben eben alle Dinge ihre Vor- und Nachteile. Es ist nur eine Frage der Perspektive. Mit offenen Augen für die positiven Aspekte der Reiseziele vor der Haustür, kann ich mir nunmehr gut vorstellen, auch mal längere Zeiten durch Deutschland oder Europa zu reisen.

Gleichzeitig steht bei mir jetzt erstmal wieder eine Reise in die Ferne an. Anfang November geht es auf nach Kolumbien und damit freue ich mich auch schon wieder, auf viele spannende Gegebenheiten in exotischen Kulturen.

Toilette in der Fernei




Wie ist das bei dir? Reist du lieber in die Ferne oder auch lieber in Reichweite der Heimat? Warum? Oder hat sich das vielleicht auch bei dir über die Jahre verändert? Ich bin sehr gespannt, wie du das hältst!



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Christin Wanderlust
Christin Wanderlust
Frau Wanderlust zeigt dir Wege auf, wie du das Reisen und das Arbeiten in der Heimat verbinden kannst. Eine Weltreise muss dabei nicht immer heissen, dass du deinen Job kündigen und alles aufgeben musst. Also schau doch mal vorbei!

8 Kommentare

  1. Markus sagt:

    Hallo Christin,
    Mir ist erst bewusst geworden was man zu hause hat, nachdem ich lange Zeit im fernen Ausland verbracht habe. In Europa haben wir eine spezielle Kultur. Zum Beispiel die ganzen Schlössel in Deutschland, so etwas sucht man in anderen Ländern vergebens. Und auch die Weihnachtsmärkte sind (ohne Witz) weltberühmt. Eine Freundin aus Neuseeland hat mir vorgeschwärmt was sie alles sehen möchte wenn sie mal nach Europa kommt und wenn man das so hört denkt man sich auch: ja, da hat sie schon recht.

    Mein Tipp ist: Einfach mal den Lonely Planet Europa kaufen. Dann bekommt man auch Lust auf Ziele in der Nähe.

    Und zu guter Letzt bin ich davon überzeugt, dass man nirgends so gut und abwechselungsreich essen gehen kann wie in Europa 😉

    Viele Grüße

    • Hey, hey Markus,

      wie wahr, wie wahr. Ich habe letztes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt eine Australierin kennengelernt, die extra für die Weihnachtsmärkte nach Deutschland gekommen ist. Sie hat dann mehrere besucht und wir sind uns auf dem Kölner Markt über den Weg gelaufen.
      Ansonsten geht es mir, wie dir! Ich glaube wirklich, das Bewusstsein für die Heimat steigt, wenn man die Ferne kennenlernt.
      Vor allem kann man in Europa in kürzester Zeit auch so viele verschiedenen Länder sehen. Na und vom Essen ganz zu schweigen. Ich liebe schon allein Köln für die Vielfalt der Küche…
      Viele Grüße zurück,
      Christin

  2. Stefanie sagt:

    Hi Christin,
    ich finde das ein sehr spannendes Thema. Darüber habe ich mir erstmals Gedanken gemacht, als ich von meiner Heimat nach dem Abi in einen anderen Teil Deutschlands gezogen bin und ich dort über meine Region ausgefragt wurde. Weiter ging es mir oft so, wenn ich mich im Ausland mit anderen Reisenden unterhalte und versuche, Tipps über das Reisen nach Deutschland zu geben. Klar kenne ich mein Land und ich bin als Kind mit meinen Eltern viel in Deutschland selbst gereist, aber jetzt als Erwachsene reizt es mich wenig. Ich finde das schade, aber wie du auch schreibst, suche ich das Exotische und die Ferne.
    Dein Beitrag hat mich sehr nachdenklich gemacht. Vielleicht sollte ich meine nächste Reise in europäische Länder legen, die ich bisher mit meiner Weitsicht übersehen habe?! Und dann werde ich Markus‘ Tipp nachgehen und mir den Lonely Planet für Europa kaufen.
    Viele herzliche Grüße,
    Stefanie

    • Liebe Stefanie,
      ich glaube, wir ticken da sehr ähnlich. Vielleicht ist es einfach in den Genen von uns. Wenn wir „jünger“ sind, wollen wir möglichst verrückte Sachen machen und die führen uns eben in die Ferne.
      Die offenen Augen für das, was schon vor unseren Füssen liegt kommt dann später. Ich bin mal gespannt, wohin dich deine nächste Reise führen wird. Freunde haben mir mal den Lonely Planet für Deutschland geschenkt – damit ich immer wieder zurück komme 😉
      Schöne Grüße sendet dir,
      Christin

      • Stefanie sagt:

        Ach, das ist doch witzig mit dem Lonely Planet für Deutschland – quasi mit der Message „Bleib doch, hier . In Deutschland gibt’s so viele schöne Ecken!“.
        Weißt du, ich hab vor kurzem auch in dem Reiseführer geblättert. Ich war hier in den USA in einer Buchhandlung und mich hat dann doch interessiert, was in so einem englischsprachigen Reiseführer über mein Heimatland drin steht. Ich fand es ziemlich spannend, vor allem die Tipps, wie man sich in Deutschland verhalten sollte. In deutschen Buchhandlungen hätte ich wohl nie einen deutschen Lonely Planet zur Hand genommen:)
        Einen lieben Gruß,
        Stefanie

        • Liebe Stefanie,

          ach, das klingt aber auch lustig. Ja, da wären wir wieder bei: die Wertschätzung für das eigene Land steigt total, wenn wir reisen 🙂 Tipps, wie man sich in Deutschland verhalten sollte. Das sollte ich mir auch mal durchlesen – da stehen bestimmt witzige Sachen drin. Einem amerikanischen Freund haben sie mal eine Versicherung zur Überführung bei Tod aufgequatscht, als er damals in Deutschland studiert hat. Sie haben ihm gesagt, dass Deutschland überdurchschnittlich gefährlich wäre und er hat sich bei der Ankunft an all seine Klamotten geklammert, damit sie keiner klaut 🙂

          Einen lieben Gruß zurück,

          Christin

  3. Kerstin sagt:

    Hallo Christin,
    wir sehen vieles so wie du und empfinden es auch als wichtig, nicht ausschließlich auf Fernreisen zu gehen, können uns aber auch nicht vorstellen, auf diese zu verzichten. Mehr zum „Warum“ haben wir hier beschrieben: http://willkommenfernweh.de/ueber-den-reiz-des-reisens/
    Ein auch für uns wichtiger Aspekt ist der Gesundheitsstandard in Mitteleuropa, der in vielen anderen Ländern nicht erreicht wird. Wir sind da etwas vorsichtiger als andere, die uns vielleicht sogar als ängstlicher bezeichnen würden, weil wir z.B. nicht in Gebiete mit mittlerem bis hohem Malariarisiko reisen wollen.
    Liebe Grüße

    • Liebe Kerstin,

      wie gut zu hören, dass es Euch auch so geht. Das mit dem Malaria kann ich gut verstehen. Ich kann die Gedanken da auch immer nicht ganz abschalten und kann die Reisen dann nicht so richtig genießen. Insofern ist das immer schön entspannt, hier bei uns in der Gegend 🙂
      Toll, natürlich schaue ich auch mal bei eurem Beitrag vorbei.
      Viele Grüße,
      Christin

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