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En Vía
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Ich freue mich, heute die En Vía vorzustellen. Mit dieser Organisation bin ich im November 2015 in Kontakt gekommen, als ich auf meiner Reise die wunderbare Stadt Oaxaca in Mexiko besucht habe. Das herzliche Willkommen, die unglaublich offenen und warmherzigen Menschen und der unbedingte Wille, gemeinsam etwas zu bewegen um die Armut in der Region Oaxaca zu mindern, sind mir bis heute in lebhafter Erinnerung geblieben.


Reise – Lerne – Hilfe zur Selbsthilfe

Aber first things first. Wer ist En Vía eigentlich?
Die gemeinnützige Organisation in Oaxaca, Mexiko wurde 2010 durch den Einheimischen Carlos Hernandez Topete gegründet. Sie hat sich dazu verschrieben, die Frauen in den ländlichen Regionen rund um die Stadt sozial zu unterstützen und fördert die Gründung und das Wachstum von nachhaltigen Unternehmen von Frauen. Diese eröffnen beispielsweise ein kleines Restaurant, nähen mit dem Startkapital wunderschöne Kleider, Schürzen, Taschen oder produzieren Schuhe.

Mit dem Ziel, die Entwicklung der gesamten Region voranzutreiben soll den Frauen Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden. Durch eigene Unternehmen und Geschäfte können die Frauen für ihre Familien den Unterhalt erwirtschaften, wodurch sie zunächst in ihren Familien besser leben, aber damit im Umkehrschluss auch das Zusammenleben in der Community stärken.

Das folgende Video von 2010 zeigt weitere Inhalte zu der Organisation und gibt dem ganzen ein Gesicht.



Hilfe zur Selbsthilfe – ein Ziel, drei Säulen

En Via baut bei ihrem Ziel auf drei Säulen:

(1) Die Mikrofinanzierung
(2) Die Bildung
(3) Nachhaltiger Tourismus

Die drei Säulen gehen perfekt Hand in Hand. Durch die Mikrofinanzierung, bei der die gründenden Frauen zinslose Darlehen bekommen (Banken in Mexiko bieten teilweise unverschämte Darlehen mit 70% Zinsen an), wird das finanziell notwendige Startkapital für eine Unternehmensgründung sichergestellt. Um diese Förderung zu erhalten, müssen die Frauen ihre Ideen in einem kleinen Business Plan zusammenschreiben und der Organisation vorstellen.

Wenn En Vía an die Idee einer Gründerin glaubt, wird ihr nicht nur das notwendige Kapital zinsfrei zur Verfügung gestellt. Ergänzend dazu schafft die betriebswirtschaftliche Ausbildung der Frauen ein grundlegendes Wissen über das Führen eines Unternehmens, die Preisgestaltung, das Marketing und damit die wirtschaftlichen Grundpfeiler des Erfolgs. So müssen die Frauen regelmäßig an Kursen teilnehmen, in denen sie neben den BWL-Themen auch Englisch lernen.

Schlussendlich schafft En Vía durch die Verbindung ihrer Organisation mit dem Tourismus die Möglichkeit, Gelder für ihre Mission aufzutreiben, die dann in Form von Mikrokrediten vergeben werden können.

So bietet En Vía Tagestouren an, auf denen sie sich Reisenden vorstellen und man die Möglichkeit hat, die geförderten Frauen und ihre Umgebung kennenzulernen. Mexiko pur und eine win win Situation für alle!


Wie Tourismus zur Basis der Kreditvergabe wird

Als ich damals im Hostel in Oaxaca von der En Vía Tour erfahren habe, war ich beim Kostenpunkt von 55 Dollar zunächst etwas skeptisch. Das ist viel Geld auf Reisen. Doch nachdem ich das Konzept verstanden habe, war ich begeistert.

Für jeden Kopf, der 55 Dollar zahlt, werden diese 55 Dollar zu 100 Prozent als zinsloses Darlehen an die Frauen und ihre Unternehmen vergeben. Erst die Kredite, die von den Frauen zurück bezahlt wurden, fließen im zweiten Schritt teilweise in administrative Kosten der Organisation und auch erneut in weitere Mikrokredite.


Eine Organisation, die den Blick auf die Dinge verändert

Natürlich habe ich also dann damals die Tour gebucht, um das wahre Oaxaca kennenzulernen, Kulturen und Traditionen zu begreifen, die Menschen in der Region persönlich zu treffen und das Leben hier zu verstehen.

So startete der Mittag mit einem herzlichen Willkommen und einer sehr informativen Einführung durch die Programm Koordinatorin Eugenia und die Programmleiterin Mica im En Vía Office.

Kurze Zeit später saßen wir im En Vía Bus und sind mit einer kleinen Gruppe von spannenden Leuten auf das Land hinausgefahren, um verschiedene Frauen kennenzulernen, die von dem Programm der Organisation gesponsert werden.

Wenn ich gerade an diese Frauen zurückdenke, entzückt von so viel Optimismus und Herzlichkeit und so unglaublich positiv überrascht von dem Unternehmerwillen der Frauen stehen mir fast die Tränen in den Augen.


Von den besten Burritos und warum Männer bei En Vía keine Förderung erhalten

So waren wir beispielsweise bei einer Dame, die mit dem Startkapital von En Vía ein eigenes, kleines Restaurant eröffnet hat, in dem wir gemeinsam zu Mittag gegessen haben. Nach der Übersetzung unser tollen Reiseleiterin Mica war schnell klar, was auf den Tisch kommen sollte. Die mexikanischen Spezialitäten, die kurze Zeit später vor uns standen, gehörten dann definitiv auch zu den leckersten Tacos und Burritos, die wir in Mexiko überhaupt hatten.

Nach dem Essen trumpfte die Hausherrin noch mit ein paar deutschen und französischen Vokabeln auf: „was möchtest du bestellen?“, „guten Morgen“, „merci beaucoup“. „Das hat sie alles in ihrem Restaurant aufgeschnappt“, übersetzt Mica die spanischen Worte der etwas schüchternen Köchin.

Ihr Mann steht daneben und schaut etwas überfordert. Männer bekommen bei En Vía keine Förderung. Das habe man probiert, doch ist das Geld nicht der Familie und der Allgemeinheit zugekommen, sondern kurzfristigen Lastern zum Opfer gefallen. Das sei bei den Frauen anders.


Reise - Mitbringsel aus dem ursprünglichsten Mexiko mit Gefallen-Garantie

Auf dem weiteren Weg haben wir zwei Näherinnen kennengelernt, die uns in ihren Stuben den Prozess der Woll- und Farbproduktion erklärt, aber auch viel zur Zusammenarbeit mit En Vía berichtet haben. Voller Begeisterung bei allen Teilnehmern, sind mehrere Schürzen, Mützen, Taschen und Schaltücher über die Ladentische gegangen. Direkt bei der Näherin kaufen - wo gibt es das schon?


Das Los einer ganzen Familie, von Mitte 30 bis Anfang 70

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der letzte Besuch auf einem Bauernhof, der zeigt, was En Vía bewirkt und wie wichtig die Organisation für die Region und die Menschen dort ist.

Hier arbeiten sowohl die Mutter, als auch die Oma der Familie mit En Vía zusammen. Das Baby sitzt geduldig bei der Mutter auf dem Arm. Die Mitte 30ig Jährige Frau produziert in größerem Maße Einheitsschuhe, wenn sie einen Auftrag erhält. Da sie immer erst nach der Erfüllung der Aufträge bezahlt wird, fehlt ihr das Geld für die Materialien, die sie zunächst kaufen muss.

En Vía gibt ihr die Chance dazu, die Sachen zunächst über die Kredite zu erwerben, die Schuhe zu produzieren und dann durch den Verkauf ihre Familie zu unterhalten. Ich schaue die hübsche Frau in ihren einfachen Arbeitsklamotten an und frage mich, welchen -mit Sicherheit erfolgreichen- Job sie wohl bei uns in Deutschland hätte…

Die bestimmt 70 Jährige Großmutter ist total überwältigt, dass auf ihrem Hof in der Scheune mit einmal Menschen aus Kanada, Australien und Deutschland sitzen. Sie erklärt, wie sie mit den Krediten von En Vía jeweils große Knoblauchsäcke kauft, den Knoblauch säubert und dann in Stücken zu drei auf dem Markt weiterverkauft. Die Dame ist unglaublich stolz, erzählt, wie sie dreimal die Woche auf den Markt geht und die Ware dort unter die Leute bringt.

Auf die Frage, warum die Kunden eher bei ihr kaufen, wo es doch so viele Verkäufer von Knoblauch gäbe, sagt sie: „Ich glaube, das ist Kama. Und außerdem mache ich manchmal einen Sonderpreis.“ Wenn Kunden handeln, dann verkauft sie manchmal vier Säcke zum Preis von drei und diese Flexibilität würde die Kunden schätzen.


Ein steiniger Weg trägt langsam Früchte

Es ist unglaublich bemerkenswert, wie viel positive Energie, wie viel Wille, wie viel Kreativität und wie viel Leidenschaft an diesem Tag zusammenfließen. Keine der Frauen hat es einfach, doch ermöglicht En Vía mit ihrem Programm und ihrer wunderbaren Art, auf die Frauen einzugehen, eine Möglichkeit, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. Nach den ersten Jahren voller Zweifel, haben die Frauen Vertrauen gewonnen und die Organisation findet mittlerweile viel Zuspruch und großen Anklang in der Region.

Als wir den letzten Hof verlassen, ist die ältere Dame traurig und sagt, wir sollen sie bald wieder besuchen. Es wäre so schön, so viele Menschen aus der ganzen Welt hier zu Hause bei ihr zu haben.


Was wir von den Frauen lernen können!

Bei mir macht sich große Andacht breit. Wie oft wir doch in Deutschland über Jobs und Arbeitsinhalte, über Lebensbedingungen und Kleinigkeiten schimpfen, wo es uns objektiv betrachtet so unglaublich gut geht. Wir wollen immer mehr und weiter und teurer und schneller.
Hier in Oaxaca sind die Probleme viel größer, doch durch ein starkes Miteinander wird gemeinsam angepackt und dem Schicksal auf die Sprünge geholfen.

Ich durfte durch En Vía Frauen kennenlernen, die mir ganz neue Sichtweisen auf mein Leben in Deutschland gegeben haben, die so viel kreativer, cleverer und offenherziger sind, als ich es hätte ahnen können und die mir an einem Tag so viel beigebracht haben. Dafür bin ich dankbar!


Das klingt toll - wie kann ich helfen?

Wer von En Vía in diesen Zeilen nur annähernd so einen guten Eindruck bekommen hat, wie ich selbst vor Ort, und unterstützen möchte, der hat verschiedene Möglichkeiten dazu.

Zum Einen finanziert En Vía sich über die Touren und über Spenden. Das heißt jedem, der vor Ort in Oaxaca ist, kann ich nur dringend raten, an der Tour teilzunehmen. Aber auch von Deutschland aus, können über die Webseite mit einer Spende Mikrokredite finanziert werden. Hier geht es direkt zur richtigen Seite...

Wer neben dem Geld auch noch Zeit mitbringt und in Oaxaca vor Ort ist, dem stehen bei En Vía verschiedene Möglichkeiten zum Volunteering offen. Die unterschiedlichen Positionen, die die Organisation ausschreibt, finden sich neben weiteren spannenden Informationen direkt auf der Webseite von En Vía.


Austausch

Jetzt bin ich gespannt! Warst du vielleicht selbst auch schonmal in Oaxaca und durftest die Organisation kennenlernen? Hast du ähnliche Organisationen kennengelernt, die eine Vorstellung verdienen? Was hältst du von dem Programm?
Wie immer freue ich mich über Deine Anmerkungen, Kommentare, Rückmeldungen.


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Christin Wanderlust
Christin Wanderlust
Frau Wanderlust zeigt dir Wege auf, wie du das Reisen und das Arbeiten in der Heimat verbinden kannst. Eine Weltreise muss dabei nicht immer heissen, dass du deinen Job kündigen und alles aufgeben musst. Also schau doch mal vorbei!

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