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Arbeiten und Reisen für immer? Nick verrät, wie er es macht!

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Arbeiten und Reisen verbinden? Geld verdienen, egal wo auf der Welt man lebt? Sich selbst verwirklichen und dabei frei sein? Aber nicht arm! Als ich neulich so über diese Themen nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass mein Freund Nick aus Amerika genau diese Balance gefunden hat und ich ihn dir vorstellen sollte.

Nick und ich haben uns 2011 auf meiner Reise durch Portland kennengelernt. Damals war er Online-Poker-Spieler und ich Reisende. Heute lebt der 33-jährige Nick in Berlin und tut dort alles, um Menschen aus der ganzen Welt die englische Sprache näher zu bringen.


Hier siehst du Nick beispielsweise in Aktion:

Nick ist damit quasi das lebende Beispiel dafür, wie sich arbeiten -Englischunterricht- und Fernweh -als Amerikaner in Berlin lebend- verbinden lässt. Er hat mich mit seiner Meinung und seinem Lebensstil schon lange inspiriert und heute möchte ich dich an dieser Inspiration teilhaben lassen.

Dabei hat mich insbesondere interessiert, wie Nick den Entschluss gefasst hat, einen sicheren Job aufzugeben, was seine Freunde und Familie über ihn gedacht haben und wie er heute dazu steht.




Wie alles begann . . .


Christin: Nick, es ist schön dich heute zu sprechen! Erzähl doch zum Einstieg mal was zu dir und deinem Werdegang. Was machst du, wo kommst du her und wie bist du dahin gekommen, wo du heute bist?

Nick: Ja gerne! Ich hatte eine ganz normale Kindheit und habe bis ich 18 war in nur einer einzigen Stadt gewohnt. Dann bin ich von Kentucky nach North Carolina umgezogen, um da zu studieren.
Vier Jahre und ein Studium später fand ich mich in einem Job bei einer großen Versicherung wieder und war dort für zwei Jahre. Der klassische Werdegang wirklich - 40 Stunden arbeiten die Woche, 10 Tage Urlaub im Jahr.

Dann ist mir relativ schnell klar geworden, dass diese zwei Wochen Urlaub nie reichen werden und sehr schnell hat etwas gefehlt. Etwas musste sich also ändern. Mein langjähriger Kumpel Mark und ich kamen auf die Idee, nach Kalifornien zu ziehen und professionell Poker zu spielen.


"Arbeiten und Reisen verbinden! Genau so wollte ich leben!


Gesagt getan. Wir sind von meiner Arbeitsstelle in Washington nach San Diego gezogen, haben gepokert und es hat funktioniert. Am Ende habe ich fünf Jahre nur vom Pokern gelebt und gelernt, wie toll es ist, selbstständig zu sein in Bezug auf die Reisemöglichkeiten. So liess sich alles Gute verbinden: pokern, reisen und online arbeiten.

Etwas später bin ich nach Deutschland gekommen und heute bin ich Englischlehrer und lebe und arbeite in Berlin.


Nick beim Rudern

Wie war das damals, als du den Entschluss gefasst hast, aus dem klassischen Leben auszubrechen? Du hast bei einer Versicherung gearbeitet und dann was? Kannst du das noch nachvollziehen?

Das ist ehrlich gesagt eine ziemlich witzige Geschichte. Mein Dad und mein Bruder haben damals gesagt, dass ich maximal ein Jahr lang in der Versicherung bleiben würde. Sie wussten genau, dass es immer mein Ding war, für mich selbst zu arbeiten und nicht für jemand anderes.

Eigentlich war meine Erfahrung in der Versicherung okay und das erste Jahr auch abwechslungsreich.

Letztendlich arbeitete ich aber bei einer sehr großen Versicherung und es gab immer wieder Meinungsverschiedenheiten zwischen meinen Chefs und mir.

Dann hatten wir die Idee mit Kalifornien und dem Pokern. Als wir damals in San Diego ankamen, dachten wir direkt: WOW, was für ein Leben hier. Hier wollten wir bleiben und die Frage war nur wie?


Und da kam Pokern ins Spiel - der Anfang von deinem digitalen (Über)Leben. Hattest du damals Zweifel, als du deinen Job aufgegeben hast und als Pokerspieler nach Kalifornien gezogen bist? Oder warst du einfach nur voller Vorfreude?

Die Wahrheit lag irgendwo dazwischen. Ich hatte 100 Prozent Selbstvertrauen in meine Entscheidung. Mein Zweifel war eher, ob sich die Strategie mit dem Pokern langfristig umsetzen lässt.

Allerdings konnte ich mir bei der Versicherung damals ein Polster ansparen, das mir für sechs Monate ein gemütliches Leben in San Diego ermöglichte.


"Die Frage war: was war das Schlimmste, das passieren konnte?


Die Frage war ja, was kann schlimmstenfalls passieren, wenn alles schief ginge. Im "schlimmsten" Fall hätte ich sechs Monate in San Diego gelebt und Urlaub gemacht, wäre oft zum Strand gegangen und hätte das Leben genossen. Dann wäre ich nach sechs Monaten zurück gekehrt und in mein altes Leben geschlüpft.



Der Sprung ins neue Leben


Was haben damals deine Eltern und deine Freunde zu deinem "Lebenswandel" gesagt?

Ehrlich gesagt habe ich meinen Eltern damals nur gesagt, dass ich nach Kalifornien ziehen werde. Das mit dem Pokern behielt ich erstmal für mich. So richtig viel gesagt haben meine Eltern dann eigentlich nicht.

Alle meine Freunde hingegen fanden meine Entscheidung okay und sie haben mich unterstützt. Vielleicht waren sie ein bisschen skeptisch, ob das Model funktionieren kann. Das war aber nie böse gemeint, sondern sie wollten mich mit ihren Gedanken unterstützen.


Was würdest du denn jemandem raten, der jetzt vor der Entscheidung steht, seinen Job aufzugeben?

In meinen Augen ist es wichtig, mit sich selbst ehrlich zu sein. Die Frage, die man sich stellen muss, ist ja, ob der eigene Job und das was man sonst so hat wirklich unersetzbar sind.


"Die zentrale Frage ist, ob dein jetziges Leben wirklich unersetzbar ist!


Aber am Ende des Tages ist eigentlich alles ersetzbar. Du wirst immer eine neue Wohnung finden, auch neue Möbel und einen neuen Job. Vielleicht ist das alles nicht so toll, wie deine erste Wohnung oder so. Aber es wird gut genug sein.

Außerdem sollte sich jeder fragen, was das Schlimmste ist, was passieren könnte. Fast sicher wird dieses Worst-Case-Szenario per se schon nicht so schlimm sein. Und am Ende wird es aller Voraussicht nach auch noch besser werden, als schlimmstenfalls erwartet.



Die Sicherheit . . . oder was ist schon sicher?


Zum Thema Sicherheit - als digital arbeitender Selbstständiger hat man ja gefühlt nicht so die Sicherheit in Bezug auf Altersvorsorge und Absicherung. Wie geht es dir damit? Ist das für dich ein Thema?

Ich glaube, als Amerikaner habe ich bei dem Thema Sicherheit eine andere Mentalität, als die Deutschen. In Amerika hat man eh keine Sicherheit. So kann beispielsweise jederzeit die Kündigung ins Haus flattern. Von jetzt auf gleich.


"Jederzeit kann die Kündigung ins Haus flattern. Da habe ich lieber selbst die Fäden in der Hand.


Ein Job in Festanstellung hat für mich daher nie Sicherheit bedeutet. Wenn ich an die Rente für später denke, habe ich eh immer das Gefühl gehabt, dass ich für mich selbst vorsorgen muss.

Eigentlich bedeutet meine Art der Beschäftigung sogar etwas mehr Sicherheit, weil ich nicht gefeuert werden kann (lacht).


Erzähl doch mal mehr über Learning English with Nick!

Gerne! Derzeit betreibe ich zwei YouTube Kanäle. Einer ist allgemein für alle, die English lernen wollen (English with Nick), weltweit sozusagen.

Der zweite Channel ist nur für Deutschsprachige, die Englisch lernen wollen. Da beschäftige ich mich in den Videos mit den klassischen Grammatik- und Vokabelfehlern der Deutschsprachigen, wenn sie Englisch reden. Durch die Art der deutschen Grammatik treten wirklich immer wieder die gleichen Fehler auf. Außerdem spielen kulturelle Unterschiede in den Videos eine Rolle.



Dann habe ich noch Schüler aus der ganzen Welt, hauptsächlich aus Brasilien, Frankreich, China und Deutschland denen ich über Skype Englisch beibringe. Das ist eigentlich sogar mein Hauptberuf.



Vom Pokern zum Englisch lehren


Wie hast du das damals mit "Learning English with Nick" angefangen?

Es war eigentlich ziemlich leicht anzufangen. Ich habe damals bereits Englischunterricht in Berlin gegeben und dann ist eine Schülerin nach Mexiko gezogen. Sie wollte dort unbedingt weiter mit mir Englisch üben und ist am Ende des Tages dafür verantwortlich, dass ich heute über Skype unterrichte. Nachdem sie mich gebeten hat, die Englisch-Stunden via Skype abzuhalten, war ich ehrlich gesagt erst ziemlich skeptisch. Dann aber hat es super geklappt.

Von da an ging es Schritt für Schritt weiter. Irgendwann habe ich mir ein Mikro zugelegt, für einen schöneren Hintergrund bei den Sessions gesorgt und so weiter.


"Man weiss am Anfang vielleicht noch gar nicht, wo der Weg hinführt, sondern läuft einfach mal los und schaut, welche Türen sich öffnen.



Was ist eigentlich so ein typischer Arbeitsablauf von dir? Den ganzen Tag im Bett liegen ja eher nicht, oder?

Naja. Für mich ist es tatsächlich wichtig, genug Schlaf zu bekommen. Deswegen fange ich mit dem Unterricht immer erst um 11 Uhr an. Ich schlafe gerne aus und frühstücke entspannt.

Montags, Dienstags und Donnerstags gebe ich zwischen 11 und 19 Uhr Unterricht, habe aber ein paar Pausen dazwischen. Mittwochs und Freitags oder aber, wenn -wie jetzt- in Urlaubszeiten mal weniger los ist, mache ich was an meiner Webseite oder am Blog.

Mein Wochenende jedoch ist mir heilig. Da gebe ich keinen Unterricht und möchte mich mit privaten Dingen beschäftigen.



Vor- und Nachteile vom freien Leben


Was sind die drei größten Vorteile von deinem Lebensstil?

Der größte Vorteil ist, dass ich wohnen kann, wo ich möchte. Beispielsweise habe ich für mich entschieden, dass ich in Deutschland und in Berlin leben will - und hier bin ich. Gleichzeitig kann ich auch mal meine Eltern in Amerika besuchen und von dort arbeiten. Das ist der größte Vorteil.

Der zweite Vorteil ist, dass ich meinem eigenen Zeitplan folgen kann. 8 Uhr morgens beispielsweise ist einfach nicht meine Zeit. Ich möchte lieber später arbeiten und das geht eben. Ich habe Wochenende und am Abend frei, genau wie meine Freunde. Aber gleichzeitig kann ich ausschlafen.

Nummer drei ist, dass ich immer in der Lage bin, bei guten Optionen zugreifen zu können. Wenn mich ein Kumpel anruft und mit mir drei Wochen nach Dänemark in den Urlaub will, dann brauche ich keinen fragen. Es ist ein bisschen Organisationsaufwand, aber ich kann immer da sein, wo ich möchte.


Nick taucht mit Schildkröten


Was sind Nachteile?

Der größte Nachteil ist, dass ich nichts umsonst bekomme. Ich habe zum Beispiel keinen bezahlten Urlaub. Oder wenn ich an einem Tag faul bin und nicht voran komme oder wenig effizient bin, dann merke ich das. In der Versicherung damals gab es auch mal Tage, an denen ich etwas müde war und trotzdem habe ich alle zwei Wochen meinen Lohn bekommen. Das ist anders wenn man selbstständig ist.


Hast du eine Lebensphilosophie?

"Mach was du machen willst und nicht das, was andere Leute von dir wollen!" Dabei geht es darum, sein Leben zu leben. Mein Vater hat damals, als das mit dem Pokerspielen raus kam, gesagt, dass ich meinen Lebenslauf wegschmeisse. Ich sollte doch lieber zehn Jahre arbeiten und dann reisen. Das wollte ich einfach nicht. Es geht einfach darum seinem Instinkt zu folgen, selbst bestimmt. Folge einfach deinem eigenen Wunsch.




Jetzt sind wir gespannt auf deine Kommentare! Hast du noch Fragen an Nick? Hat er dir Anregungen für deine eigenen Pläne und Träume gegeben? Schreib uns in den Kommentaren!

Wenn du die nächste Reise planst und noch dein Englisch auffrischen willst, geht das natürlich auch prima mit und bei Nick. Hier gelangst du zu seiner Webseite oder du schreibst Nick eine Email an Nick@EnglishWithNick.de.













































Möchtest auch du mal bei Nick vorbei schauen?
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Logo English With Nick

Christin Wanderlust
Christin Wanderlust
Frau Wanderlust zeigt dir Wege auf, wie du das Reisen und das Arbeiten in der Heimat verbinden kannst. Eine Weltreise muss dabei nicht immer heissen, dass du deinen Job kündigen und alles aufgeben musst. Also schau doch mal vorbei!

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